DAS ANTIKES STADION
Das Stadion von Nemea: der gewölbte Tunnel und die Startlinie
Im antiken Stadion von Nemea: der gewölbte Athletentunnel mit seinen Graffiti, die steinerne Startlinie und die Hysplex, die jedes Rennen startete.
Nemea-Touren auf GetYourGuide ansehen ↗Ein Stadion, das sich vom Heiligtum abhebt
Anders als der Tempel liegt das antike Stadion nicht direkt neben den Heiligtumsbauten – es befindet sich rund 400 Meter entfernt, eingebettet in eine natürliche Senke zwischen zwei niedrigen Hügelkämmen, die die antiken Baumeister als natürliche Sitzreihen nutzten, statt steinerne Tribünen zu errichten. Dieser kurze Weg vom Tempel zum Stadion gehört zum Erlebnis: Man verlässt das religiöse Herz des Heiligtums und gelangt zu dem, was für ein paar Tage alle zwei Jahre eine bis auf den letzten Platz gefüllte Sportstätte war, die Wettkämpfer und Zuschauer aus der gesamten griechischen Welt anzog. Die Laufbahn selbst misst rund 178 Meter – die Länge eines antiken Stadions, jener Maßeinheit, nach der sowohl der Wettlauf als auch das Stadion selbst benannt ist.
Das gewölbte Tunnelgewölbe, durch das die Athleten schritten
Das herausragende Merkmal des Stadions ist ein steingewölbter Tunnel von etwa 36 Metern Länge, der Athleten und Offizielle direkt von den Umkleideräumen auf die Laufbahn führte, ohne sich durch die Menge drängen zu müssen. Erbaut um 320 v. Chr., gilt er Archäologen als das früheste bekannte Beispiel eines echten Gewölbes in der griechischen Architektur – ein gebogenes, selbsttragendes Steindach, eine Technik, die die Griechen im Vergleich zu den späteren römischen Baumeistern nur sparsam einsetzten. Wer heute hindurchgeht – niedrig und kühl selbst in der Sommerhitze –, kommt dem wörtlichen Nachvollziehen der letzten Schritte eines antiken Athleten vor dem Wettkampf so nah wie sonst nichts, in einem Gang, der sich seit über zweitausend Jahren kaum verändert hat.
Graffiti hinterlassen von antiken Besuchern
Die verputzten Wände des Tunnels tragen etwas Selteners als Architektur: Graffiti, die von Menschen eingeritzt wurden, die dort in der Antike standen. Die Ausgräber dokumentierten Namen und kurze Sätze auf dem Putz, darunter bewundernde Bemerkungen über bestimmte Athleten – jene beiläufigen, persönlichen Spuren, die aus der antiken Welt kaum je überliefert sind, denn die meisten Inschriften, die wir auf Stein sehen, waren formell und offiziell. Es ist ein kleines Detail, das leicht übersehen wird, wenn niemand auf die richtige Wandstelle zeigt, doch es ist zugleich die menschlichste Spur, die an diesem Ort erhalten blieb: der Beweis, dass nicht nur Offizielle und Sieger, sondern auch gewöhnliche Zuschauer durch genau diesen Tunnel gingen und etwas von sich selbst zurückließen.
Grooves für die Füße, an der Startlinie
Am Start des Stadions ist eine steinerne Schwelle in den Boden eingelassen, in die parallele Rillen im Abstand der Zehen der Läufer eingemeißelt sind – ein Startsystem, das in griechischen Stadien üblich war und den Sprintern auf dem festgestampften Boden eine feste, faire Startlinie bot. Die Ausgrabungen legten zudem eine Reihe von Pfostenlöchern entlang dieser Linie frei – ein Beleg für eine Hysplex: einen Startmechanismus aus Seil und Pfosten, der alle Wettkämpfer bis zur Freigabe auf gleicher Höhe hielt und Fehlstarts verhinderte. Rekonstruktionen der Funktionsweise der Hysplex, basierend auf den Pfostenlöchern in Nemea und dem ähnlichen Stadion von Isthmia, deuten auf eine wahrhaft mechanische Lösung für ein Problem hin, das jedes Sprintrennen bis heute hat – eine, die Archäologen allein aus den Spuren dieser Steine rekonstruieren konnten.
Was das Stadion ausrichtete
Diese Bahn war Schauplatz der sportlichen Wettkämpfe der Nemeischen Spiele – Laufdisziplinen über verschiedene Distanzen, Ringen, Boxen und das Pankration, dazu Pferde- und Wagenrennen auf einem nahe gelegenen, eigenen Hippodrom, das heute kaum noch sichtbar ist. Die Teilnehmer kamen aus der gesamten griechischsprachigen Welt, geschützt durch einen heiligen Waffenstillstand, der die sichere An- und Abreise zu den Spielen gewährleistete – dasselbe System, das es Athleten ermöglichte, innerhalb desselben Vierjahreszyklus auch in Olympia, Delphi und Isthmia anzutreten. Wer auf Bahnniveau steht und den 178 Meter langen geraden Lauf in Richtung Tunnelmund hinabblickt, gewinnt ein weitaus unmittelbareres Gefühl für die Dimensionen als jedes Foto – ein wahrhaft intimer Raum für das, was zu seiner Zeit ein großes internationales Ereignis war.
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